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Eine Zwischenbilanz zur Wirkkraft und Bedeutung des Hauptstadtkulturfonds

 

 

 

____Der HKF ist ein bundesweit und international wichtiger Kooperationspartner für Sprech-, Musik- und Tanztheater____________________

 

Diese Tatsache scheint mir wichtig an Parlament und die Kritiker/innen des HKF weiterzugeben. Es zeigt, dass auch andere Bundesländer von der gezielten Förderung der in der Hauptstadt vorhandenen künstlerischen Potentiale ganz selbstverständlich profitieren.

Interessanterweise glücken dabei Kooperationen nicht nur innerhalb der „freien“ Theatergruppenlandschaft, sondern zunehmend auch mit Staatstheatern und Festivals im In- und Ausland. Das ist eine erfreuliche Entwicklung im Sinne der Durchlässigkeit von institutionellen Grenzen.

 

Ich erinnere z.B. an folgende Kooperationen:

- Schaubühne am Lehniner Platz, Projekt: „Foi – Glaube“ von Sidi Larbi Cherkaoui & Capilla Flamenco mit Les Ballets C. de la B. in Kooperation mit dem Théâtre de la Ville, Paris, dem Holland Festival, dem Tanzquartier Wien etc. (2003)

- Das Mozartprojekt „Wolf“: Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz, in Kooperation mit der Compagnie Les Ballets C de la B. und dem Klangforum Wien und der Ruhr-Triennale

- Das Theaterprojekt: „Der Auftrag“ von Heiner Müller, Gruppe NOVAPOOL: Koproduktion mit den Berliner Festspielen, den Wiener Festwochen, 3sat, ZDF und dem Théâtre Municipal Luxembourg (2004)

- Das Tanzprojekt „Dido und Aeneas“ von Sasha Waltz: Kooperation von Staatsoper, der Akademie für alte Musik und dem Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg (2005); Übernahme durch das Holland Festival und andere europäische Festivals in Madrid, London, Aix-en-Provence und Ferrara. Außerdem wird der TV-Sender arte im September 2005 die Aufführung verfilmen!

- Festival des zeitgenössischen brasilianischen Tanzes „Move Berlim“ in den Jahren 2003 und 2005 in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Kulturministerium

- Hiroko Tanahashis „Heavenly Bento“ im Jahr 2004 in Kooperation von post-Theater und dem Museum für Kommunikation, Berlin

- Maren Stracks Performance „6 feet under II“ wurde im Anschluss an die Berlin-Aufführungen (2004) nach Japan eingeladen

 

_____Der HKF und die Botschaften__________________

 

Dank beharrlicher Arbeit gelingt es zunehmend, dass viele Botschaften sich finanziell relevant an HKF-Projekten beteiligen.

 

Das gilt z.B. für die beiden an uns 2003 herangetragenen Ausstellungsprojekte „Australian Standart – Face Up“ und „Berlin North“ im Hamburger Bahnhof, die beide ein großer Publikumserfolg waren.

 

Das gilt auch für

- die Berenice Abbott-Ausstellung, die mit einer nennenswerten Summe aus New York ergänzt wurde (2003)

- das Festival „young.euro.classic“ an dem sich die Botschaften der Entsenderländer sowohl an den Aufenthaltskosten als auch mit Empfängen beteiligten

- die Beteiligung der belgischen Botschaft am Festival „ZeitFenster – Biennale alter Musik“ des Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (2004)

- die Bereitstellung erheblicher Mittel für die Ausstellung „Das Licht kommt jetzt von Norden“ des Bröhan-Museums seitens der Finnischen Botschaft (2002)

- die finanzielle Beteiligung der schwedischen Botschaft an der Ausstellung des Bröhan-Museums „Jugend: „Skönhet for alla – Jugendstil aus Schweden“ (2005)

- die Beteiligung Dänemarks am künstlerischen Projekt „Berlin Alexanderplatz, Urban Art Stories“ (2005)

- die Beteiligung von Schweizer Seite an dem Theaterprojekt „Robert Walser: Mikrogramme“ (2005)

 

Es ist erkennbar, dass der HKF national und international von Interesse ist.

 

 

_____Der HKF und Regierungen_____________________

 

Zu den sicherlich erfolgreichsten Kooperationen ist das „Festival des zeitgenössischen brasilianischen Tanzes - Move Berlim“ zu zählen.

 

Mit der Förderung des Projektes, das in den Jahren 2003 und 2005 über mehrere Wochen die unterschiedlichsten zeitgenössischen Positionen des brasilianischen Tanzes in Theorie und Praxis präsentierte, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Theaterwissenschaften der FU Berlin, ist eine enorme Wirkung innerhalb Brasilien selbst erzielt worden. Der Staatssekretär des brasilianischen Kulturministeriums, Sergio Mumberti, eröffnete das Festival 2003, dann fand 2004 das Projekt in Brasilien selbst seine Fortsetzung, gefördert vom dortigen Kulturministerium! Und im April 2005 fand das Festival als Koproduktion mit der brasilianischen Regierung zum zweiten Mal und unter der Schirmherrschaft des brasilianischen Staatssekretärs im HAU statt.

 

Zu erwähnen ist auch die Kooperation mit dem Kulturministerium Luxembourgs, durch welche drei Konzerte des Karl-Forster-Chores, „War Requiem 8.Mai 2005 – 60 Jahre Frieden“, anlässlich des 60jährigen Jubiläums des Endes des II. Weltkrieges in beiden Städten sowie in Lodz ermöglicht wurden.

 

 

_____Der HKF stiftet Kooperationen innerhalb der Hauptstadt_______________________________________

 

Im Jahr 2004 ist es dem HKF erstmals gelungen, eine projektbezogene Verbindung zwischen der Komischen Oper und zwei „freien“ Musiktheaterprojekten innerhalb Berlins herzustellen.

2005 kooperierte die Compagnie Sasha Waltz & Guests mit der Staatsoper und der Akademie für alte Musik für das Projekt „Dido und Aeneas“.

 

Für 2005/2006 ist ein großes, übergreifendes Ausstellungsprojekt geplant: „Der Schmerz“, eine Kooperation des Medizinhistorischen Museums der Charité - HU Berlin - und dem Hamburger Bahnhof sowie verschiedenen anderen Museen der SMPK.

 

Die Förderung von Kooperationen stellt für alle Beteiligten einen Gewinn dar und sollte in Zukunft intensiviert werden!

 

 

_____der HKF und seine institutionellen Kooperationspartner_______________________________

 

Mit der Goethe-Zentrale München finden regelmäßige Kooperationsgespräche statt, die zu folgenden gemeinsamen Projekten geführt haben: „Berlin-Bagdad“ (auch beteiligt: Auswärtiges Amt) und Helene Waldmann: „Tentland“, welches in München und Teheran bereits voraufgeführt wurde und im Herbst 2005 in Berlin zu sehen sein wird.

 

Mit der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes wurde der Austausch und die gegenseitige Information über gemeinsam interessierende Vorhaben beschlossen.

 

Mit der Kulturstiftung des Bundes werden regelmäßig und vertrauensvoll gegenseitig Informationen über Projekte und Antragstellungen ausgetauscht. Zu unserer großen Freude hat die Kulturstiftung des Bundes die erfolgreichen, vom HKF geförderten Reihen, „transmediale“ und „berlin biennale“ sowie das Projekt „Mobile Akademie“ in ihre Verantwortung übernommen.

 

Mit Stiftungen der Wirtschaft, namentlich der Allianz-Kulturstiftung und der Schering-Stiftung gab es projektbezogene Mitförderungen/Kooperationen:

- Tanzprojekt von Sommer Ulrickson „Creatures of Habit“ in den Sophiensaelen im Jahr 2004

- Kunst- und Architekturprojekt „con_con 2004“ an mehreren Spreebrücken

- Förderung des Kataloges zur Walter Benjamin-Ausstellung im Haus am Waldsee, 2004/05

- Veranstaltungsreihe „Über Schönheit“ am Haus der Kulturen der Welt, 2005

- Installation von Carsten Nicolai „syn_chron“ in der Neuen Nationalgalerie im Jahr 2005

 

Bei 408 bewilligten Projekten zwischen 2002 und 2004 hat der HKF immerhin 1(!) Mal die Chance einer Kofinanzierung durch EU-Mittel für das Projekt „Import-Export / Bombay-Wien-Berlin“ (2005) erhalten.

 

 

_____der HKF und die Kofinanzierung durch Sponsoren_______________________________________

 

Die Kofinanzierung durch Sponsoren ist das unerfreulichste Kapitel. Die ursprüngliche Idee, dass der HKF in der Regel fünfzig Prozent der Mittel zur Verfügung stellt (in den Kriterien des HKF von 1999 steht: „Es können Projekte in der Regel komplementär gefördert werden“) und damit einen hohen Anreiz für Sponsoren darstellt, hat sich als unrealistisch erwiesen. Der Beratungsaufwand für Projekte, die auch durch größte Bemühungen keine privaten Gelder auftreiben konnten, ist erheblich gestiegen. Nicht selten beteiligten sich die Geschäftsstelle und die Kuratorin an der äußerst beschwerlichen Suche nach privaten Kooperationspartnern.

 

Deshalb haben wir unser Vorgehen geändert: Wir finanzieren zunehmend herausragende Projekte mit einem überproportional hohen Anteil, das heißt, einem Anteil, der über 50 Prozent liegt.

 

 

_____der HKF ist eine Themen-Plattform, ohne selbst initiativ zu sein____________________________________

 

Auffällig ist gerade bei den freiproduzierenden Gruppen die Auseinandersetzung quer durch die Sparten, mit „großen“ aktuellen Themen wie Heimat, Identität, Krieg, Religion, Terror. Was die Bündelung durch den HKF dabei bewirkt, ist noch nicht zu sagen.

Eine Themen-Plattform ist der HKF aber auch dann, wenn er z.B. fünf Projekte zu Heiner Müller fördert. Hier sind die Wirkungen zweifellos nachhaltiger.

 

 

_____der HKF und die großen zeitgenössischen Kunstausstellungen_______________________________

 

Eine der wichtigen Begründungen für die Notwendigkeit des HKF war, international relevante Ausstellungen nach Berlin zu holen bzw. hier entstehen zu lassen.

Die in Berlin erstmalig gezeigten Einzelausstellungen in den repräsentativen Räumen wie der Akademie der Künste, dem Hamburger Bahnhof oder dem Martin-Gropius-Bau von

- Louise Bourgeois

- Valie Export

- Katherina Sieverding und

- Sophie Calle

tragen zu dieser Absicht erheblich bei.

 

Herrausragende, durch den HKF geförderte Einzelausstellungen in kommender Zeit sind die Ausstellung „Katharina Sieverding“ in Kooperation mit dem P.S.1, die erste Einzelausstellung der Künstlerin in den USA (geplante Eröffnung in Berlin: 1. Oktober 2005 in den KunstWerken), die Einzelausstellung Shirin Neshat, die im Herbst 2005 im Hamburger Bahnhof zu sehen sein wird, sowie die für 2006 geplante Ausstellung „Rebecca Horn“ im Martin-Gropius-Bau.

 

Der Effekt, dass der HKF auch mit Ausstellungen von starken Künstlerinnen identifiziert wird, ist willkommen! Aber selbstverständlich gehört auch die zwanzig Räume umfassende Ausstellung von Günther Uecker dazu, die gegenwärtig im Martin-Gropius-Bau gezeigt wird.

 

HKF-finanzierte Ausstellungsvorhaben, die insbesondere interdisziplinäre und spartenübergreifende Themen aufgriffen, sind u.a.

- „Conceptualismus, Positionen und Rezeption der 90er Jahre in Musik, Kunst, Film“ von Christoph Metzger in der AdK (2002)

- „.. lautloses irren, ways of worldmaking 2 .. „ von Harm Lux im Postbahnhof (2003)

- „Fraktale III“ im U-Bahnhof Reichstag des Vereins Meinblau e.V. (2002)

- Carsten Nicolai: „Syn cron“ in der Neuen Nationalgalerie (2005)

- “con_con” im öffentlichen Raum, an der Spree

 

 

_____der HKF und der Dialog zwischen den Kulturen___

 

Sowohl durch die historischen Ausstellungen „Himmelssöhne“ und „Azteken“ als auch zeitgenössische Ausstellungsprojekte leistet der HKF einen beachteten Beitrag zur notwendigen Neugier, Kenntnis und Auseinandersetzung hinsichtlich kultureller Differenz auch innerhalb Berlins.

 

Den Dialog der Kulturen in Berlin besonders anstiftende Projekte waren bzw. sind:

 

- „Zebra Crossing“ im Rahmen des Mexiko Festivals (2004)

- „Das Laboratorium“ im Rahmen des Verbundprogramms „Contemporary Arab Art Practices“ (2003)

- „Entfernte Nähe – neue Positionen iranischer Künstler“ (2004)

- „Zeit der Morgenröte“ – eine Ausstellung über japanische Archäologie (2005)

- „Leben unter dem Halbmond“ im Vitra Design Museum Berlin (2003)

- "Unser Ausland" des Vereins "Gesicht zeigen“ (2002)

- „InTransit“ im Haus der Kulturen der Welt (2005)

- „Fokus Istanbul“ – eine Ausstellung der aktuellen künstlerischen Tendenzen am Bosporus (2005)

- „Xu Bing“ – Einzelausstellung des berühmten chinesischen Künstlers im Museum für Ostasiatische Kunst im Rahmen von „American Season“ (2004)

- das Festival „Über Schönheit - About beauty“ im HKW, das in Kooperation mit Singapur stattfand und dazu beitrug, den Blick des Berliner Publikums auf die ästhetische Perspektive ostasiatischer KünstlerInnen zu lenken

 

Dazu tragen auch Symposien, Konferenzen und Filmreihen bei, wie insbesondere bei den unterschiedlichen Veranstaltungsreihen des Hauses der Kulturen der Welt, ebenso wie die Sichtbarmachung speziell des türkischen künstlerischen Potentials.

 

Außerdem hat der HKF mit seiner Unterstützung der Türkischen Filmwoche 2004 dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit des Berliner Publikums auf aktuelle türkische Filmproduktionen zu lenken sowie auf die darin enthaltene Darstellung der gesellschaftlichen Probleme dieses Landes.

 

Die Unterstützung des iranischen Festivals „Entfernte Nähe“ im HKW ist im Iran selbst auf Aufmerksamkeit gestoßen, weil dank der HKF-Mittel direkt auf dem Fadhj-Festival im Januar 2004 drei Produktionen zum hiesigen Festival verpflichtet werden konnten.

 

 

_____Berlin ist eine multinationale Stadt, der HKF wirkt unterstützend____________________________________

 

Es macht den HKF stolz, dass im Schnitt ca. 20 Prozent der Antragsteller, BerlinerInnen nicht deutscher Herkunft sind. Neben der bildenden Kunst ist es vor allem der Tanz, der sich in den letzten Jahren zunehmend sprachlicher Formen bedient und damit die Mehrsprachigkeit auf die Bühne bringt. Der HKF ist an dieser Entwicklung beteiligt.

 

Es gibt eine vitale, internationale Tanzszene in Berlin, die sich mit den herkömmlichen Mitteln zu wenig entfalten konnte. Mit einer Million Euro für drei Jahre Tanzschwerpunkt stärkt der Fonds den Produktionsort Berlin.

 

 

_____der HKF ermutigt Produktivität und zwingt zu Qualität__________________________________________

 

Die intensive und präzise Beratung der KünstlerInnen durch die Kuratorin, den Beirat und die Geschäftstelle erhöhte erkennbar die Qualität der eingereichten Anträge der letzten Jahre.

 

Es hat sich inzwischen u.a. herumgesprochen:

- dass ein Spielstättennachweis unbedingt vorgelegt werden muss

- dass die häufig genannten Institutionen erläutern sollten, weshalb sie die beantragten Projekte bei sich zeigen wollen und mit welchem Eigenbetrag sie sich an der Finanzierung beteiligen, (sofern die Einrichtungen über einen Produktionsetat verfügen).

 

Auch die gegenseitigen Verbindlichkeiten haben sich erhöht, der HKF hat mittlerweile eine „Abbrechquote“, die unter 1 % liegt.

 

 

_____der HKF begleitet die Reflexion über das eigene Tun_____________________________________________

 

Es ist erfreulich, dass sich in den verschiedenen Szenen dieser Stadt das Bedürfnis artikuliert, das eigene Schaffen in Reibung mit anderen künstlerischen und wissenschaftlichen Disziplinen und zu gesellschaftlich relevanten Themen zu befragen.

 

Der HKF hat diesen Prozess z.B. bei folgenden Projekten unterstützt:

- Festival der Neuen Internationalen Dramatik an der Schaubühne = FIND

- Dramaturgie-Workshop Tanz, Theater am Halleschen Ufer

- Internationale Choreographische Werkstatt – Deutschland-Frankreich, Tanzfabrik u.a.

- Symposium „Der Status des Politischen in aktueller Kunst und Kultur“ von Antje Weitzel und Marina Sorbello 2005

- Symposium „Bild – Macht – Rezeption“ 2005

 

 

_____der HKF hat interdisziplinäre Untersuchungen mitbefördert______________________________________

 

darüber, welchen Veränderungen Urbanität unterliegt, was das Nomadische in der Großstadt meinen könnte, wo und wie sich Globalisierung manifestiert? Was bedeutet sie für umfassende künstlerische Produktionsweisen?

 

Z.B. hat „urban drift“ einen internationalen Austausch darüber kuratiert und organisiert zwischen „Urban drift Hybrid Space Berlin“ und dem Sonar Festival in Barcelona. Die Initiatorin dieses Projekts hat sich, von diesen Erfahrungen ausgehend, für die Ausrichtung des deutschen Pavillons der Architektur-Biennale 2004 in Venedig qualifiziert.

 

Ein weiteres Beispiel ist die für 2006 geplante Ausstellung “Emerging Identities – EAST!” in der Galerie Aedes, welche die osteuropäischen Zugänge zu Architektur vorstellt.

 

Der HKF hat wiederholt Projekte gefördert, die sich mit der Entwicklung der urbanen Theorie Berlins sowie mit dem sich ständig verändernden Prozess der Erneuerung der Stadt sowohl in architektonischer als auch künstlerischer Hinsicht auseinandersetzt und Vorschläge und Hinweise im Umgang mit konfliktbeladenen Stadtgebieten und Plätzen und/oder vernachlässigten Randgebieten in der Stadt entwickelt, z.B. „Urban Drift – Living in motion und Hybride Space“, „Areale Neukölln“, „temporäre Gärten“, „transportale“, „OKKUPATION“ und „Lichtenberg“.

 

 

_____der HKF unterstützt das Experimentelle__________

 

die Suche nach neuen Formaten, künstlerischen Verbindungen und raumbezogenen Arbeiten, die nicht auf eine Verstetigung abzielt.

Die Existenz des HKF schafft allgemein eine produktive Atmosphäre in der künstlerischen Szene der Stadt, in dem Potentiale stimuliert werden und Kreative sich ermutigt fühlen, Projekte zu entwickeln, Neues auszuprobieren, (Spiel-)Räume zu erobern.

 

Berlin schreibt Überschriften als Hauptstadt des freien Theaters, der Musiktheaterszene, der Clubkultur, der Literatur, des Tanzes, der zeitgenössischen bildenden Kunst wie der jungen Mode- und Musikindustrie.

 

Dazu gehört, neben den Projekten für den Palast der Republik, z.B. auch, dass wir der Staatsbank durch die HKF-Projekte zu einem weithin beachteten Profil verhelfen konnten, des weiteren dem U-Bahnhof Reichstag, der Brotfabrik, dem Kunst- und Medienzentrum Adlershof, dem Rundfunkhaus Nalepastraße, dem Wasserturm in Prenzlauer Berg, etc.

 

In diesem Zusammenhang zu erwähnen wären auch herausragende Schulprojekte, die künstlerisch und pädagogisch neue Wege gehen.

Im Jahr 2005 fördert der HKF beispielsweise das Projekt „TUSCH 2005“, eine Kooperation zwischen verschiedenen Berliner Bühnen und Schulen, sowie das Projekt „Lichtenberg“ des Künstlers Rommelo Yu, eine szenisch-tänzerische Zusammenarbeit mit deutschen und ausländischen Jugendlichen in diesem sozial schwachen Stadtbezirk.

 

 

_____der HKF führt Berliner Traditionen fort___________

 

mit beispielsweise folgenden Projekten:

- die vom Nationalsozialismus unterbrochene Ausstellung „Lotte Laserstein – Eine Retrospektive“ (2002)

- eine Ausstellung und Filmreihe „Pioniere in Celluloid - Juden in der frühen Filmwelt“ im Centrum Judaicum (2003)

- eine Ausstellung und Theaterprojekte über und von „Jacob van Hoddis“ (2001)

- eine Ausstellung „Jüdische Köpfe – Leben nach der Shoa“ im Centrum Judaicum (2002)

- eine Ausstellung „Das Licht kommt jetzt von Norden“ im Bröhan-Museum (2002)

- eine Ausstellung „David Nash“ im Kolbe-Museum (2004)

- eine Ausstellung „Der Villengarten Max Liebermanns“ in der Max-Liebermann-Villa am Wannsee (2003)

- eine Ausstellung „Gold gab ich für Eisen“ der Stiftung Stadtmuseum (2004)

- eine Ausstellung der aus Berlin stammenden jüdischen Malerin Yehudith Bach im Ephraim-Palais (2005)

 

_____ HKF - anfördern und dann fallen lassen?________

 

Die einmalige Projektförderung hat sich – in der Regel – bewährt. Deshalb haben alle Jurys, mit denen ich gearbeitet habe, eine Sensibilität für Regelförderungsabsichten entwickelt, z.B. in Form der Beantragung eines Festivals, das gemeinhin auf Wiederholung ausgerichtet ist.

Im Ausnahmefall haben wir die Regel durchbrochen. Dann, wenn erkennbar ist, dass eine beantragende Gruppe oder Einzelperson auf dem Sprung ins internationale oder bundesweite Interesse ist, was in der Regel an Kooperationsangeboten ablesbar ist. Das Instrument der konsekutiven Förderung über zwei Jahre hinweg im begründeten Falle und nach funktionierender Evaluierung ermöglicht hier eine erkennbare Qualität.

 

In Ausnahmefällen empfehlen wir die dreijährige Förderung von wiederkehrenden Veranstaltungen von Berliner Institutionen.

Dies betrifft aktuell den Tanzschwerpunkt, das „internationale literaturfestival berlin“ und den „Karneval der Kulturen“.

Mit der Verständigung auf einen dreijährigen Schwerpunkt „Tanz“ im Fenster Regelförderung, haben wir einen den Fonds konturierenden Schritt gemacht. Wir haben anders als bei den „geerbten“ Schwerpunkten ein wichtiges Feld für die Stadt eröffnet, bündeln Stränge, die so kraftvoller werden können und mehr von der großen künstlerischen Kraft zeigen, die in dieser „Tanzhauptstadt“ ist. Diese Kraft zu sehen, kann Berlin einfach gut brauchen.

Innerhalb des Tanzschwerpunktes werden gefördert: Tanz im August (seit 2004), die Compagnie Sasha Waltz & Guests (seit 2005), die Compagnie William Forsythe (in 2005).

 

Die dreijährige Regelförderung des „internationalen literaturfestival berlin“ unter dem Dach der Berliner Festspiele eröffnet für beide Einrichtungen nicht nur inhaltliche, sondern auch ökonomische Synergien. Es wird rechtzeitig zu überlegen sein, wie die längerfristige Sicherung dieses Literaturfestivals, aber auch die Sicherung des hauptstadtkulturrelevanten Engagements der „literaturWERKstatt berlin“, die ihre Arbeit der Vermittlung von Lyrik im transdisziplinären Dialog mit den anderen Künsten widmet, bewerkstelligt werden kann.

 

Ein weiteres Projekt, das eine dreijährige Regelförderung von 2003 bis 2006 erhält ist der Karneval der Kulturen.

 

Und es freut mich natürlich außerordentlich, dass zwei Projekten, die beim HKF eine dreijährige Förderung hatten, nämlich die „transmediale“ und die „berlin biennale“, der Sprung in die Kulturstiftung des Bundes gelungen ist. Dies dürfte ein Qualitätssiegel sein.

 

 

_____der HKF ist ein Instrument des Nachspürens______

 

das mit erfreulich wenig Struktur auskommt – nur 1 % der Fondsmittel werden für die Geschäftsstelle aufgewendet – und deshalb gut Beziehungen stiften und bereits Bestehendes zu einer Relevanz verhelfen kann.

 

Es hat sich darüber bei den Jurymitgliedern ein Geflecht von Beobachtungen, und ein daraus resultierendes Wissen ergeben, das der Kulturpolitik hilfreich sein könnte, eben über den Grat an Freiheit, der aus der Qualität des „staatsfern und kunstnah“ erwachsen ist. Auch das ist „hauptstadtkulturrelevant“, weil es etwas schafft, woran es allerorten mangelt: Vertrauen. Und das kommt der Politik zugute, weil das Energiefeld Kultur positiv auf die ganze Stadt ausstrahlt.

 

 

 

Adrienne Goehler

8. April 2004

(überarbeitet: 13. Mai 2005)