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Projekt

THE HALFMOON FILES

 

Antragsteller/in

Philip Scheffner

Termin

12. Oktober 2006

Veranstaltungsort

Kunstraum Kreuzberg / Bethanien

Kooperation

werkleitz gesellschaft
kunstraum kreuzberg / bethanien
Lautarchiv der Humboldt-Universität Berlin
Deutsches Rundfunk Archiv

Inhalt

THE HALFMOON FILES
Donnerstag, den 12. Oktober 2006, 20 Uhr
Präsentation der Zwischenergebnisse: Audio / Video – Vortrag und Diskussion

Ein Rechercheprojekt von Philip Scheffner in Zusammenarbeit mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und Werkleitz Gesellschaft e.V. (Zentrum für künstlerische Bild Medien Sachsen Anhalt)

‘The Halfmoon Files’
Ausgangspunkt des Projekts ist das Aufeinandertreffen von deutschen Forschern mit internierten Soldaten muslimischen und anderen nicht-christlichen Glaubens zur Zeit des ersten Weltkrieges im so genannten „Halbmondlager“ in Wünsdorf bei Berlin. Durch die Recherche und Analyse von Archivmaterial werden Zusammenhänge zwischen Wissenschaft, politischen Strategien und den Mechanismen einer Bild- und Tonproduktion untersucht, die zur Konstruktion von ‚Geschichte’ und dem Bild vom ‚Anderen’ beitragen.

Die historische Ausgangslage:
Im ersten Weltkrieg werden muslimische und nicht-christliche Soldaten der Streitkräfte Russlands (Tataren), Englands (Inder) und Frankreichs (Afrikaner) als Kriegsgefangene in einem Sonderlager in Wünsdorf bei Zossen interniert - dem so genannten „Halbmondlager“.
Das Deutsche Reich plant, sich als Alliierter der Muslime zu profilieren und versucht durch gezielte Propaganda, die gegnerischen Soldaten zum Überlaufen zu bewegen. Teil dieser Strategie ist die Errichtung der ersten Moschee auf deutschem Boden, die ausschließlich für religiöse Zwecke genutzt wird. Die internierten „Kolonialsoldaten“ sollen zu Aufständen gegen ihre jeweiligen Kolonialherren motiviert werden und so die Kolonialgebiete Englands und Frankreichs destabilisieren.

Interesse an den Gefangenen wird auch von anderer Seite angemeldet:
Nach und nach öffnet sich das Lager für deutsche Anthropologen und Wissenschaftler, die umfangreiche Untersuchungen an den „exotischen Völkern“ durchführen.
Das Lager wird als eine Art „ideale Laborsituation“ verstanden, in der sich aufwendige Untersuchungen kontrolliert und ohne die störenden Elemente der Feldforschung in fernen Ländern durchführen lassen.
Die eigens zu diesem Zweck gegründete „Preußisch Phonographische Kommission“ fertigt 1650 Tonaufnahmen der Gefangenen an – mit dem Ziel, eine umfassende Sammlung aller Sprachen der Welt aufzubauen.
Die Tonaufnahmen bilden den Grundstock des „Lautarchivs“ an der Humboldt Universität Berlin.

1650 Stimmen
1650 Biografien
1650 Geschichten

‘The Halfmoon Files’ untersucht das vorhandene Tonmaterial und recherchiert die Bedingungen seiner Entstehung. Das Projekt setzt vorhandenes dokumentarisches Archiv-Material (Film und Ton) in Beziehung zu zeitgleich im Lager entstandenen Aufnahmen für eine koloniale Spielfilmserie und erzählt so von den vielfachen Verflechtungen zwischen Politik und Unterhaltungskultur, zwischen Krieg, Kolonialismus, Wissenschaft und Medien.

Britta Lange, Wissenschaftlerin und Autorin aus Berlin, ergänzt und erweitert die Thematik durch die Darstellung von ähnlich ausgerichteten wissenschaftlichen Forschungen, die zeitgleich in österreichischen Kriegsgefangenenlagern durchgeführt wurden.

„The Halfmoon Files“ wird unterstützt durch eine Rechercheförderung des Hauptstadt Kulturfonds Berlin sowie einem Projektstipendium der Werkleitz Gesellschaft e.V. (Zentrum für künstlerische Bild Medien Sachsen Anhalt).
Das Projekt entsteht in Kooperation u.a. mit: Kunstraum-Kreuzberg / Bethanien‚ Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin, Deutsches Rundfunk Archiv.

Philip Scheffner arbeitet seit 1986 als Filmemacher, Sound- und Videokünstler in Berlin.
Seine Arbeiten wurden auf nationalen und internationalen Festivals gezeigt.

Britta Lange, Kulturwissenschaftlerin und Postdoktorandin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, arbeitet über die Lagerstudien des Ersten Weltkriegs im Deutschen Reich und in Österreich. Sie fragt, was dieses historische Phänomen über das Bestreben der Wissenschaft erzählt, „Typen“ finden und bilden zu wollen und dabei selbst „typische“ Verfahren anzuwenden.


www.pong-berlin.de

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